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Thursday, January 15, 2009

New Kids on the Blog

Beim Durchforsten meiner Blogpostdatenbank fiel mir auf, dass ich noch gar nicht das Posting zu meinem Artikel in der gar nicht mehr so aktuellen Ausgabe der J'N'C publiziert habe. Für diese habe ich einen umfassender Text zum Thema Mode und (Neue) Medien verfasst. "New Kids on the Blog" beleuchtet ausführlich das Thema Internet und dessen Auswirkungen auf die Modeindustrie. Eines meiner Leib- und Magenthemen. U.a. finden Erwähnung, The Sartorialist, The Facehunter, Der Styleclicker, Mary Scherpe, Susie Bubble, Diane Pernet, Fashionfreax und Les Mads.

Es ist vor allem die emotionale Bindung an die User,
die Blogs für Unternehmen aller Art interessant macht.
Deren Initiatoren werden als unabhängige
Persönlichkeiten wahrgenommen, die der
Anonymität des Internets ein Gesicht geben.
Sie werden zur Freundin von Nebenan, die einem
persönliche Dinge anvertraut und der man glaubt,
wenn sie ihre Meinung zu etwas äußert - die
perfekte Werbeplattform mit einer
genau definiterten Zielgruppe, und das mit
Möglichkeiten, die traditionelle Printmedien zu bieten
kaum mehr in der Lage sind.


Der Artikel ist nach Anklicken der untenstehenden Thumbnails zu lesen...

mode und medien mode und medien mode und medien mode und medien
please click to enlarge


Update:

Zeitlich kaum perfekter hätte mein Posting kommen können, an dem Tag, an dem das große deutsche Blog Basic Thinking für satte 46.902 EUR versteigert wurde und das selbst dem ARD Nachtjournal einen Beitrag wert war. 2009 wird toll...

Sunday, November 30, 2008

Werkstatt Kunstkritik

kunstkritik

Im Februar dieses Jahres habe ich in Bonn an einem Workshop der Montag Stiftung Bildende Kunst teilgenommen. Thema war genau: "Sprache als Tarnung? Das Dilemma der Kunstkritik". Sprecher waren Christian Demand (Kunstgeschichtsprofessor an der Akademie der Bildenden Künste in Nürnberg und Verfasser bekannter Schriften wie Die Beschämung der Philister), Jörg Heiser (Co-Chefredakteur der frieze, Schreiber für die Süddeutsche, Kurator und Autor von Plötzlich diese Übersicht), Noemi Smolik (Kunstkritikerin und Gastprofessorin für Kunstgeschichte an der Hochschule für Bildende Künste, Dresden) und Julia Voss (seit 2006 gemeinsam mit Niklas Maak Leiterin des Kulturessorts der FAZ).

Schlimm genug, dass die Kunstkritik besonders in deutschen Landen so nicht vorhanden ist. Von der Modekritik mag ich an dieser Stelle gar nicht reden. Wer an einer kritischen Schreibe interessiert ist und daran arbeiten möchte, der sei herzlich eingeladen, beim zweiten Workshop der Reihe teilzunehmen.

Werkstatt Kunstkritik 2
Sprache als Tarnung? - Das Dilemma der Kunstkritik
Viertägiges Praxis-Seminar in der Villa Prieger, Bonn
6./7. und 20./21. März 2009
Anmeldeschluss: 28. Januar 2009

Referenten: Bice Curiger, Chefredakteurin Parkett, Zürich; Holger Liebs, Redakteur Süddeutsche Zeitung, München; Noemi Smolek, Kunstkritikerin, Bonn; Jan Verwoert, Kunstkritiker, Berlin, Rotterdam, Julia Voss, Redakteurin, FAZ, Frankfurt

Weitere Informationen und Teilnahmebedingungen hier
Mein Beitrag zum ersten Teil ist inzwischen publiziert worden:

werkstatt kunstkritik 01
werkstatt kunstkritik 02
werkstatt kunstkritik 03
werkstatt kunstkritik 04
click to enlarge

Sunday, October 12, 2008

Mode im Zeitalter ihrer digitalen...

Bild 16credit: viktor&rolf

Die Süddeutsche Zeitung brilliert trotz weniger guter Köpfe nicht unbedingt regelmäßig mit fundiertem Modejournalismus. Besonders der Onlineauftritt der Münchner Publikation lässt bisweilen in punkto Modeberichterstattung deutlich zu Wünschen übrig. Die Rosinen der Unmöglichkeit (z.B. Der Meister und die Models, verdient kritisiert hier) werden hin und wieder von den Damen beim Modepiloten ausgegraben und vorgestellt.

Bild 14
Bild 15credit: viktor&rolf

An diesem grauen Sonntag aber entdeckte ich im Onlinebeitrag von Johannes Thumfart (der im Übrigen gelegentlich auch für hint schreibt!) ein wenig Sonnenschein, der dort unter dem Titel Abmarsch den langsam schwindenden Zauber der Prêt-à-Porter-Schauen im Zeitalter des Internets untersucht. Für den enthusiastischen Modeblogger bringt Thumfart dort einmal mehr auf den Punkt, was in Kreisen der pickeligen Nerds (!) schön längst Gewissheit ist - alles ändert sich und das Internet ist schuld.
Ganz anders als Kathrin Bierling (aka modejouarnalistin) lese ich allerdings keinen kritischen Unterton heraus, sondern verstehe den Beitrag vielmehr als (objektive) Darlegung von Tatsachen. So ist nicht neu, dass in Modeblogs häufig eine vollkommen andere Art von Modejournalismus praktiziert (wird) als in den großen Magazinen und dass es anstatt um Werbeeinnahmen (...) um Enthusiasmus und um das soziale Kapital in der Szene geht. Eine genauere Erläuterung dazu, was Thumfart aber unter journalistischen Kriterien versteht - die die meisten der Modeblogs nicht erfüllten ("was wohl auch der Tatsache geschuldet ist, dass all dies für vergleichsweise wenig Honorar geschieht" - sorry, das verstehe ich nicht!) - , bleibt er dem Leser schuldig.

Bild 19
Bild 18credit: viktor&rolf

Aber genau dort liegt - so finde ich - des Pudels Kern. Auf der anderen Seite bliebe nämlich zu untersuchen, ob denn der herrschende klassische Modejournalismus überhaupt ebensolche, journalistischen Kriterien erfüllt. Meine Frage mag gewagt sein, in einer Zeit, da sich kritisch äußernde Journalisten bestenfalls zur nächsten Show nicht mehr eingeladen werden (s. Cathy Horyn) und im ärgsten Fall Ärger mit dem Anzeigenkunden bekommen oder gar vom Verlag gekündigt werden (ein solcher Fall ist mir bisher nicht bekannt).
Eine stundenlange Hin- und Herdiskussion würde vermutlich in die Frage münden, ob die Modeindustrie überhaupt eine Kritik wünscht. So sind Blogger sicher für jüngere, unabhängige Label eine willkommene günstige Werbefläche - so schreibt ja auch Herr Thumfart -, die Frage aber, ob ein großer Konzern an einem kritisierenden Verriss seiner Kollektionen durch unabhängige Sprachrohre, die nachweislich zunehmend von potentiellen Kunden Gehör finden, interessiert ist, ist offensichtlich zu verneinen. Kann der Konzern dem Verlag mit Werberückzug drohen, steht er dem Blogger mit leeren Händen gegenüber.
Diane Pernet nennt die Konsequenz eine Demokratisierung der Mode, ich spreche in diesem Zusammenhang gern vom Einzug der Modejournalistenpunks, die Thumfart sehr treffend als Dosenbier trinkende extrem Networker beschreibt, die immer jemanden kennen, der ihnen eine Eintrittskarte zu begehrten Shows besorgen kann.

Bild 20credit: viktor&rolf

Aber was genau bedeutet das alles eigentlich? Wie bitteschön sieht eine demokratische Mode aus, zu der jeder frei sagen darf was er denkt und deren Tragbarkeit auch offen angezweifelt werden darf? Mir persönlich verursacht der Gedanke daran - so hoffe ich nicht nur mir - eine dicke Gänsehaut! Hebeln Modeblogger letztlich das aus den Angeln, was die Mode im Grunde ausmacht? Individualität, Kreativität, Exklusivität, das ewig Neue und Andere? Oder wird gerade das begünstigt durch ungeniertes Eindringen in ein System, in dem Blogger nicht immer gerne gesehen sind? Wenn die Demokratisierung der Mode durch Blogger weiterhin so Auswüchse wie Andrea Crews gebiert, schreibe ich gerne weiter...

Viktor&Rolf präsentierten ihre Spring/Summer 2009 Kollektion allein online auf einem virtuellen Laufsteg, für jeden gleichzeitig und von überall aus zu sehen. Die hier gezeigten Bilder sind Stills aus dem Videostream. Ich denke nicht, dass das Internet langfristig Modenschauen überflüssig machen wird. Zu groß das Spektakel (!), zu eigenbrödlerisch das Internet. Eine Auseinandersetzung mit dem Zeitgeist durch das Designduo repräsentiert es allemal. Das ganze V&R Video gibt es im Übrigen hier zu sehen.

Abmarsch
Langsam schwindet der Zauber der Prêt-à-Porter-Schauen. Über das Defilee im Zeitalter des Internets.
Von Johannes Thumfart auf sueddeutsche.de, 11.10.2008

Sunday, October 5, 2008

Streit um die Tragbarkeit der Mode

Ich werde mich davor hüten, auch nur eine Zeile zu tippen zum Thema "Tragbarkeit" der Mode, denn - die Leser dieses Blogs sollten es mittlerweile gemerkt haben - hier geht es nicht darum, Kollektionen auf ihre Alltagstauglichkeit hin abzuklopfen. Der Tragbarkeitsgrad variiert im Auge des Betrachters/Trägers hinlänglich sowieso und daher ist eine Diskussion darüber was wie wann und wo getragen werden kann und sollte recht müßig (und jetzt habe ich es doch getan, das Tippen). Diskutiert wird das vermeintliche Tragbarkeitsproblem an anderer Stelle aber immer wieder aufs Neue und gerne und mit Vorliebe genau dann, wenn gerade die großen Schauen geendet sind, so wie heute in Paris.

00050m 00060m 00210mBalmain spring 2009, credit: style.com

00030m 00210m 00360mGivenchy spring 2009, credit: style.com

Bereits gestern erschien in diesem Zusammenhang in der TAZ ein Artikel mit dem Titel Streit um Tragbarkeit der Mode. Elisabeth Raether begibt sich darin auf die Suche nach der "zeitgemäßen Form von Weiblichkeit in Mode und Design" und findet sie nur vereinzelt, die Form, auf den Schauen in Paris und schreibt einen Text, den ich nicht verstehe und vermute, dass es daran liegt, dass ich mir die Frage nie stelle, die nach der Tragbarkeit der Mode.
Aber kommen wir zum Text von Frau Raether: In einer kurzen Einleitung, in der sie die durchschnittliche Optik Cathy Horyn's (auf dem Bild links, daneben übrigens direkt zum Verlgeich Carine Roitfeld) - der Autorin des New York Times Modeblogs on the runway - beschreibt (na die wird sich bedanken!), versucht sie, so glaube ich, eine Legitimation dafür zu schaffen, dass überhaupt ernsthaft über Tragbarkeit diskutiert werden darf. Ernsthaft im Sinne einer gewissen Reputation, nach dem Motto: Die Frau hat eine entsprechende Ausbildung, ist gebildet und hat demnach ein "Recht" dazu, die Alltagstauglichkeit gewisser Entwürfe anzuzweifeln, auch wenn, (bzw. gerade darum) sie nicht so gut wie Carine Roitfeld oder so exzentrisch wie Suzy Menkes aussieht, sondern einfach ganz normal, wie die gewöhnliche Durchschnittsfrau, die eben nicht interessiert ist an überschwenglicher Extravaganz im Kleiderschrank, sondern wissen will, wie sie sich kleiden soll.

00180m 00150m 00270m Maison Martin Margiela spring 2009, credit: style.com

00020m 00040m 00250mBalenciaga spring 2009, credit: style.com

Cathy Horyn wird bei Elisabeth Raether zu einer Art Sprachrohr für die Frau von der Straße, das immer mal wieder die Frage in den Äther des WWW bläst, wer große Teile von dem, was Jahr ein Jahr aus auf dem Laufstegen präsentiert wird, denn überhaupt tragen soll. Dabei ginge es gar nicht nur um Tragbarkeit, sondern auch darum, „eine Verbindung zwischen dem Zeichensystem der Mode und dem Rest der Welt herzustellen“, etwas, was viele Designer selbst nicht mehr schaften. Den Beweis dafür, dass Frau Horyn damit gar nicht so falsch liegt, sieht Frau Raether darin, dass viele Designer, die New Yorker Journalistin nicht länger zu ihren Schauen einladen (– das schlechte Gewissen der Industrie?) Cathy Horyn wird somit zu einer Art Heldin des Alltags stilisiert, die es endlich einmal wagt, das Wort zu erheben gegen den ganzen Modezirkus Tam Tam, dafür aber gestraft wird mit Ignoranz: „(...) doch es gibt auch Designer, die sie nicht mehr einladen, Dolce & Gabbana zum Beispiel. In der einflussreichen Zeitschrift Womens Wear Daily sagte ihr neulich jemand nach, sie wisse nicht einmal, wie man Lanvin ausspricht und Jodhpurhose schreibt“, so Elisabeth Raether in der TAZ.

00040m 00030m 00020mHaider Ackermann spring 2009, credit style.com

00010m 00090m 00400mCeline spring 2009, credit: style.com

Mit dem Bewertungsraster Cathy Horyn's walzt dann Frau Raether die in Paris gezeigten Kollektionen nieder. Christopher Decarnin für Balmain liefere keine „Idee, die darüber hinausweisen würde, wie zeitgemäße Weiblichkeit heute aussehen könnte“. Givenchy's Professionelle in Overkneestiefeln seien reine Ironie (warum sagt sie allerdings nicht...). Toll sei es aber bei Margiela, Balenciaga und Haider Ackermann gelaufen. Auch John Galliano kommt gut weg, sowie Ivana Omazic für Celine und Dries van Noten. Aber WARUM? Wieso liefern die letztgenannten in den Augen Frau Raethers „zeitgemäße Formen von Weiblichkeit“, Balmain und Givenchy aber nicht? Die Frage spitzt sich zu, wirft man einen genaueren Blick auf die angeführten Kollektionen. Oberflächlich betrachtet, würde ich, wäre ich an der Bewertung einer irgendwie gearteten allgemeingültigen Tragbarkeit interessiert eher Balmains Vorschläge als straßentauglich erachten, als die eines Martin Margiela. Frau Raether hat demnach wohl eine sehr zukünftige Vorstellung der zeitgemäßen Weiblichkeit, widerspricht sich aber plötzlich selbst, wenn sie Celines farbenfrohe Flatterkleidchen anführt, als Beispiele einer Absicht, Frauen schöner zu machen. So schließt sie ihren Text mit dem folgenden Absatz: „Van Notens Kleider schmeicheln der Trägerin, die Stoffe fallen sanft, und die Looks sind lässig, zurückhaltend, aber sehr elegant. Einen schmalen, knöchellangen Rock aus goldfarbenem Lurex kombiniert Van Noten zu einer einfachen weißen Bluse und flachen Sandalen. Es mag nach einer banalen Idee klingen, Kleider zu entwerfen, in denen Frauen sich schöner fühlen und automatisch das Kinn ein wenig anheben, wenn sie sie tragen. In Wirklichkeit ist es gar nicht so einfach.“

00130m 00190m 00400mDries van Noten spring 2009, credit: style.com

Die zeitgemäße Frau ist also eine schöne, eine stolze Frau!? Aha, mal was ganz neues, also! Liebe Frau Raether, ich verstehe ihren Text nicht. Liest er sich in meinen Augen doch eher als ein Versuch, Gesehenes zu kategorisieren nach dem Motto: "Die heutige Frau ist soundso und hat daher dasunddas anzuziehen", zu tragen, eben. So einfach ist es aber nicht, es ist sogar ziemlich kompliziert – das erkennen Sie schon ganz richtig, nur eben anders – und so mag ich behaupten, dass es mindestens so viele zeitgenmäße Formen von Weiblickeit gibt, wie es Designer gibt, die Mode entwerfen, für Frauen. So vermeide ich es tunlichts, bestimmten Designern ihre Designqualitäten abzusprechen, nur weil ich etwas nicht verstehe oder mir nicht vorstelllen kann, die Entwürfe zu irgendeiner Gelegenheit zu tragen. Respekt könnte man es auch nennen, dem Gedankengut und der Profession eines anderen gegenüber. So finde ich es frech, wenn Frau Raether in einem Satz behauptet, Ricardo Tisci mache bei Givenchy keinen ernstzunehmenden Vorschlag für die Frau von heute. Ich behaupte nicht, dass sie Unrecht hat, Aber WIE sieht die Fau von heute denn in ihren Augen aus und WARUM schafft Herr Tisci es nicht, diese einzukleiden? Der gesamte Text knabbert sämtliche Oberflächen an, ohne einen Gedanken auch nur ansatzweise fortzuführen. Dabei ist das Thema höchst spannend, eine Antwort auf die eingangs gestellte Frage liefert er aber nicht. 6 setzen.

Streit um Tragbarkeit der Mode
Wer soll das eigentlich anziehen? Die Suche nach einer zeitgemäßen Form von Weiblichkeit in Mode und Design ist schwierig- auch dieses Wochenende auf den großen Schauen in Frankreich. VON ELISABETH RAETHER in TAZ, 04.10.2008

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